Abenteuer handelt von drei jungen Menschen auf der Jagd. Sie jagen das Glück, den Sinn, das Leben, die Erkenntnis, die Schönheit, die Freiheit, einander, sich selber, und vor allem auch: Nazis.




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texte über „abenteuer“

1. anleitung für ein optimales leseerlebnis

2. Über die Form von „Abenteuer“: Das Kontinuum

„Abenteuer“ ist kein Roman. Oder es ist es doch; aber einer, der keiner sein will. Es ist ein Mosaik, das niemals vollständig sein kann, eine Ansammlung von Gedanken, ein Schwarm. Ab wie vielen Mücken ist ein Schwarm? Ab wie vielen Gedanken ist eine Idee? „Abenteuer“ möchte den Versuch wagen zu erzählen, ohne Geschlossenheit vorzutäuschen.

Dass Kafka der größte deutschsprachige Schriftsteller der Moderne ist, beruht wohl darauf, dass er nicht in der Lage war seine Romane fertig zu schreiben. Welch Unglück, hätte er es doch geschafft! Welch Unglück, fänden seine Erben plötzlich fertiggestellte Versionen von Proceß und Schloß im Keller! Die gefundenen Werke würden vielleicht zu großer Enttäuschung führen. Denn es ist diese Lücke, Das, was uns noch fehlt zur Vervollständigung zum Absoluten, was das eigentliche Wunder birgt. (und uns ist mittlerweile klar, dass selbst dieses Absolute vermutlich – ich sage bewusst nicht: selbstverständlich – nur als ein Gedachtes existiert.)
Ich meine: man muss noch einen Schritt weitergehen. Dort wo Kafka den Geschlossenen Roman immer noch anstrebte, muss man einschreiten und ihm zurufen: Du lagst ganz richtig in deinem Scheitern! Nur weil ein jeder deiner Romane misslungen ist, ist er geglückt! Warum also eine Absolutheit anstreben?

Der Geschlossene Roman mit Anfang und Ende und perfekt gewichteten Kapiteln hat ausgedient. Er kann die pluralistische, sich ständig selbst dekonstruierende Welt von heute nicht mehr adäquat repräsentieren. Vielmehr ist er zu einem nostalgischen Sehnsuchtsnarkotikum geworden. Gleichzeitig aber sind auch alle postmodernen Ansätze, mit ihren Ausufernden Seitenzahlen, Vierte-Wand-Durchbrechungen und ironischen Gags erstaunlich schlecht gealtert. Wie geht man über sie hinaus? Auf jeden Fall nicht, indem man krampfhaft versucht, die alte Geschlossenheit wiederherzustellen. Auf jeden Fall nicht, indem man wieder perfekt gewichtete Kapitel schafft, und Figuren, die glaubwürdiger als echte Menschen sind, und schon gar nicht, indem man einfach Erfahrungsberichte in Romanform packt, weil … das ja so wahnsinnig authentisch ist.

Was mit „Abenteuer“ vorliegt (vorgestellt ist, fordert, forciert wird, geformt wird), ist der Versuch ein Kontinuum zu schaffen. Die einzelnen Zettel, die allein der besseren Hörbarkeit wegen in sogenannten Âventiuren zusammengestellt wurden, sind wie einzelne Blickwinkel, einzelne Bewusstseine, die einen Blick, manchmal auch nur ein kurzes Blinzeln auf das Romangeschehen wagen. Vielleicht könnte man auch sagen, Abenteuer ist ein Kontinuum von Stoffen und Figuren, die in einer surrealen Zellkultur aufeinander losgelassen werden.

An einer Schüsselstelle des Kontinuums stellt mir Bruno, einer der Protagonisten, folgendes Rätsel: Er befindet sich in einem dunklen Raum und bohrt nach und nach Löcher in die Wand, um nach draußen schauen zu können. Er bemerkt schnell, dass jeder Blickwinkel ein andres „Draußen“ zeigt. Was würde geschehen, wenn er letztendlich so viele Löcher gebohrt hätte, dass keine Wände mehr übrig sind? Steht man dann dem „Draußen“ gegenüber, so wie es wirklich ist? Oder hat man nur unfassbar viele Blickwinkel gewonnen? Hat man sich gar den Boden unter den Füßen weggebohrt? Let’s find out.